Was passiert eigentlich in der Grafik, wenn die Kaffeemaschine kaputt ist?
Ein Erfahrungsbericht aus dem kreativen Ausnahmezustand.
Es gibt Tage, an denen läuft in der Grafik einfach alles.
Die Ideen fließen, Photoshop macht mit, InDesign stürzt ausnahmsweise nicht ab und irgendwo läuft eine Kaffeemaschine, die zuverlässig dafür sorgt, dass aus „Ich schau mal kurz drauf“ tatsächlich noch ein Arbeitstag wird.
Und dann gibt es Dienstag.
9:07 Uhr: Der Kaffee ist tot. Und wir mit ihm.
Die Kaffeemaschine ist kaputt.
Das Display: schwarz.
Die Knöpfe: tot.
Die Stimmung: kritisch.
Natürlich wird zuerst versucht, die Maschine durch mehrfaches Drücken desselben Knopfes wiederzubeleben. Erfolglos.
Dann beginnt die Ursachenforschung.
„Wer war gestern der Letzte an der Maschine?“
Stille.
„Wer hat sie zuletzt benutzt?“
Noch mehr Stille.
Innerhalb von fünf Minuten hat jeder jeden im Verdacht.
Es werden Blickkontakte ausgewertet, Kaffeegewohnheiten analysiert und vergangene Cappuccino-Bestellungen rekonstruiert.
Jemand sagt:
„Ich hab ja schon immer gesagt, dass diese eine Einstellung irgendwann die Maschine killt.“
Welche Einstellung genau, bleibt offen.
Aber plötzlich ist klar: Es war jemand.
Die zweite Katastrophe: Der Coffee-Shop hat Urlaub
Der Third-Wave-Coffee-Laden hat Urlaub.
Ja.
Urlaub.
Ausgerechnet jetzt.
Der Laden, in dem ein Kaffee mehr kostet als ein durchschnittliches Mittagessen und dessen Herkunft ungefähr bis zur einzelnen Kaffeekirsche zurückverfolgt werden kann.
Der letzte Hoffnungsschimmer ist damit erloschen.
Ein Kollege schlägt Starbucks vor.
Es wird kurz sehr still.
Photoshop läuft. Die Kreativität nicht.
Photoshop ist geöffnet.
Niemand arbeitet darin.
InDesign ist geöffnet.
Niemand weiß, warum.
Ein Kollege verschiebt ein Rechteck zwei Pixel nach links.
Dann wieder zurück.
„Ich glaube, jetzt ist es besser.“
Nein.
Ist es nicht.
Auch die kreativen Prozesse verändern sich.
„Kannst du das Logo noch etwas moderner machen?“
Normalerweise eine harmlose Frage.
Heute ein Anschlag auf die psychische Stabilität.
„Was bedeutet moderner?“
„Na, einfach moderner.“
Der Designer schaut kurz auf den Bildschirm.
Dann aus dem Fenster.
Dann wieder auf den Bildschirm.
„Ich kann heute nicht.“
Die Ermittlungen eskalieren
Mittlerweile gibt es mehrere Theorien zur Kaffeemaschinen-Katastrophe.
Theorie 1: Zu viel Kaffee.
Theorie 2: Falsche Milch.
Theorie 3: Falsche Bohnen.
Theorie 4: Jemand hat absichtlich auf „Espresso doppelt“ gedrückt.
Theorie 5: Die Maschine hat einfach genug von uns.
Theorie 5 findet überraschend viel Zustimmung.
Ein Kollege fordert inzwischen eine forensische Untersuchung.
Eine Kollegin möchte wissen, ob es Überwachungskameras gibt.
„Warum?“
„Nur Interesse.“
Niemand glaubt ihr.
Der Tiefpunkt: Löslicher Kaffee
Gegen Mittag passiert das Unfassbare.
Ein Kollege betritt den Raum.
In der Hand: eine Packung löslicher Kaffee.
Er stellt sie auf den Tisch.
Stille.
Niemand bewegt sich.
Jemand fragt:
„Was genau hast du vor?“
„Ich dachte, wir könnten …“
Weiter kommt er nicht.
Die Packung wird wie ein Beweisstück vom Tisch entfernt.
Der Kollege muss sich vor einem spontan einberufenen Krisenkomitee für seine Entscheidung rechtfertigen.
Der Kaffee wird einstimmig als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ abgelehnt und unter Applaus in den Müll geschmissen.
Der Kollege wird dazu verdonnert seinen Schreibtisch neben die Toilette zu stellen.
Allerdings nur, wenn er sie außerhalb des Büros konsumiert.
14:10 Uhr: Die Erlösung
Dann die Nachricht:
Der Third-Wave-Laden öffnet morgen wieder.
Innerhalb von Sekunden normalisiert sich die Lage.
„Flat White, Hafer, extra Shot.“
„V60.“
„Espresso.“
„Ich nehme alles.“
Die Kaffeemaschine wird noch einmal misstrauisch angesehen.
Der Schuldige bleibt unbekannt.
Heute machen wir Feierabend aber morgen wird sie repariert.
Das Fazit des Tages
Eine Grafikabteilung ohne Kaffee ist keine Grafikabteilung.
Sie ist eine Gruppe von Menschen mit Adobe-Lizenzen, offenen Dateien und ungelösten Konflikten.
Und wer in dieser Situation mit löslichem Kaffee auftaucht, muss damit rechnen, für den Rest des Tages offiziell als kreativer Saboteur geführt zu werden.
Wir melden uns morgen wieder.
Sofern die Kaffeemaschine mitspielt.